Mein Beruf?

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Geschichtenerzählerin, Verbindungsmacher, Brückenbauer & Liebesermöglicherin.

Wenn mich Leute fragen danach fragen, was ich eigentlich mache, dann sage ich, dass ich als freie Traurednerin arbeite. Aber eigentlich beschreibt das nicht sehr gut, was ich tatsächlich Tag für Tag tue.  Als freie Traurednerin plane ich freie Trauungen und führe diese durch. Aber eigentlich lerne ich viele verschiedene Paare und ihre höchsteigene Liebesgeschichte richtig gut kennen – und versuche dieser Liebesgeschichte dann gerecht zu werden und sie in 30 bis 40 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit verwandle.

Freie Traurednerin – ein Trau(m)job

Denn eigentlich geht es bei einer (freien) Trauung nicht so sehr um das Ja-Wort und die Feier (obwohl die wirklich meistens spitze ist), sondern es geht darum, sich einmal Zeit zu nehmen für sich. Als Paar. Zu überlegen, wie wollen wir unser Leben eigentlich führen. Wollen wir es gemeinsam leben? Hand in Hand? Wollen wir uns Nähe und Freiheit gleichzeitig schenken? Und wie soll das aussehen? Die gemeinsame Liebesgeschichte noch einmal durchleben und einen Startschuss geben für „Hier kommst Du nicht mehr lebend raus“ (also im Idealfall).

Man lernt nie aus…

Das ist die eine Seite. Ich helfe Paaren dabei, die richtigen Fragen zu stellen. Ich entlocke ihnen ihre tiefsten Geheimnisse, das Rezept ihrer Liebe und bringe es zu Papier – und später dann in lebendige Worte. Dabei lerne ich selbst wahnsinnig viel und der definitiv schönste Teil meiner Arbeit ist es, einen Blick auf die kleine Liebesflamme, die jedes Paar versteckt und gut geschützt mit sich herumträgt, zu erhaschen. Zu erfahren, was ihre Liebe stark macht, welche Werte sie ihrem Zusammenleben zugrunde legen und wie sie verschiedene Krisen gemeistert haben. Diesen Schatz freizulegen, verbal „aufzupolieren“ und schließlich am Tag der Hochzeit von der schönsten Seite öffentlich zu präsentieren, das ist ein Teil meiner Arbeit.

Ein Bild wirkt nur im richtigen Rahmen wirklich gut

Der andere Teil, die andere Seite sozusagen, ist es, diese Liebe öffentlich zu machen und ins soziale Gefüge „einzubetten“. Eine Ehe ist immer auch soziale Institution; das heißt, sie hat nicht nur eine Wirkung nach innen, sondern auch nach außen. Wer sich liebt, muss das nicht immer mit einer Ehe beschließen. Vielen Paaren reicht es auch, dass sie für sich, nach innen wissen, wie sehr sie sich lieben und dass sie zusammengehören. Die Ehe macht das Ganze öffentlich, sie zeigt allen, dass hier eine Lebensgemeinschaft geschlossen wurde. Diese zwei werden füreinander sorgen. Und nicht nur diese zwei, sondern auch alle drumherum. Man heiratet niemals nur einen Mann oder eine Frau – man heiratet immer auch ein stückweit eine Familie, einen Freundeskreis, ein komplettes soziales Umfeld.

Und jetzt alle!

Deshalb finde ich es auch immer besonders schön, wenn Familie oder Freunde die Zeremonie mitgestalten – schließlich gestalten sie auch das Leben des Paares mit! Gleichzeitig spielen „die anderen“, also die Gäste oder das Publikum, bei der Ausgestaltung der Trauung durch mich eine große Rolle. Was ist die Botschaft, die das Paar nach außen vermitteln will? Und auch: Welche Dinge wollen wir nicht sagen, um niemanden zu verletzen? Was möchten wir unbedingt unterstreichen, um allen zu zeigen, wie wichtig sie uns sind? Wie kann was am besten formuliert werden? Verheiratet ist man nie allein, sondern immer in Gesellschaft. Und das Gelingen einer Ehe hängt nicht nur von zweien ab, sondern vom restlichen Umfeld drum herum eben auch.

Was machst Du eigentlich..?

Wenn ich also sage, dass ich freie Traurednerin bin, ist das eigentlich keine explizite Berufsbeschreibung. Denn ich erzähle Liebesgeschichten, ich stelle besondere Verbindungen zwischen Menschen und Momenten her. Ich baue Brücken zwischen Paaren und denen, die sie begleiten. Und ich möchte Möglichkeiten für die Liebe schaffen. Denn Liebe – und das wissen alle Liebenden selbst am besten – ist nicht immer einfach, sondern erfordert Commitment, Hingabe und Respekt. Für mich ist eine freie Trauung deshalb die Möglichkeit, sich gegenseitige diese Hingabe zu schenken.