Freie Trauung – was ist das eigentlich???

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Immer häufiger werde ich gefragt: Freie Trauung, was ist das eigentlich? Insbesondere wenn man sich nicht gerade selbst mit dem Thema beschäftigt (also nicht vorhat, in den nächsten 12 Monaten zu heiraten), kann man sich unter einer „freien Trauung“ nicht sonderlich viel vorstellen. Also habe ich beschlossen, einen kleinen Beitrag dazu zu schreiben, was eine freie Trauung ist oder sein kann.

Hauptsache verheiratet!

Prinzipiell ist Ehe oder das Verheiratet-Sein zweifach zu verstehen: Einerseits gibt es den rechtlichen Status der Ehe. Damit einher gehen all die rechtlichen Rechte und Pflichten, die man so kennt. Man zählt auf einmal als Angehöriger, man zahlt (hoffentlich) weniger Steuern und wenn man möchte, trägt man auch den gleichen Nachnamen. Um diesen rechtlichen Status zu erreichen, braucht es die standesamtliche Trauung. Man besorgt jede Menge Papiere (mindestens eine Abschrift aus dem Geburtenregister und je nach Lage des Standesamts und Eurer Vorgeschichte noch einiges mehr), meldet die Eheschließung an und lässt sich an einem schönen Tag vermählen. Mit Unterschrift und „Kraft Gesetzes erkläre ich Sie hiermit zu Mann und Frau“.

It’s all about culture

Die Ehe hat aber auch noch eine andere Bedeutung, nämlich eine kulturelle. Eheschließungen gibt es auf der ganzen Welt – nicht immer ist das Konzept dahinter das gleiche, aber eigentlich immer ist die Eheschließung mit einem Ritus oder einer Zeremonie verbunden. In Deutschland sprechen wir von der kirchlichen Trauung und meinen damit meist einen christlichen Gottesdienst. Aber genauso gibt es natürlich islamische Hochzeiten, jüdische Hochzeiten, buddhistische Hochzeiten usw.

Hochzeitsklischees und Hochzeitsbrauchtum

Diese religiösen Zeremonien werden außerdem von den verschiedenen Bräuchen, die nicht immer etwas mit Religion zu tun haben, begleitet. Aus amerikanischen Filmen kennt man die Tradition, dass die Braut vom Brautvater zum Altar geführt wird. In Deutschland ist es eigentlich eher so, dass das Brautpaar gemeinsam die Kirche betritt. Auch bei der anschließenden Feier gibt es die verschiedensten Bräuche und Traditionen, die den Tag zu etwas Besonderem machen (meine Lieblingstradition ist übrigens ganz klar das Anschneiden der Hochzeitstorte und das gemeinsame Essen… so lecker!).

Ein bisschen feierlich muss sein…

Jetzt gibt es aber Paare, die kirchlich nicht heiraten wollen oder können (weil sie z.B. unterschiedliche Religionen angehören) – trotzdem möchten sie dem Ganzen einen festlicheren Rahmen geben und zusätzlich zur standesamtlichen Trauung noch eine Zeremonie feiern. Und es gibt auch Paare, die überhaupt nicht standesamtlich heiraten möchten, sondern sich nur gegenseitig die Ehe versprechen wollen. Hier kommt jetzt die freie Trauung ins Spiel.

Wie es EUCH gefällt.

Eine freie Trauung ist genau das – frei. Niemand schreibt Euch vor, wie Eure freie Trauung auszusehen hat. Sie kann ganz klassisch sein und nach dem kirchlichen Vorbild gestaltet sein. Sie kann aber auch ganz anders aussehen. Sie kann sowohl drinnen als auch draußen stattfinden, mit großer Hochzeitsgesellschaft oder nur für Euch alleine. Sie kann von einem freien Theologen oder Hochzeitsredner vorbereitet und durchgeführt werden, sie kann aber auch von Euch ganz allein gestaltet werden. Alles ist möglich.

Und das ist genau der Reiz einer freien Trauung: Es geht dabei immer um Euch, um das Brautpaar und die Liebe, die Ihr füreinander habt. Es gibt keine Liturgie, an die Ihr Euch anpassen müsst, oder ein Protokoll, das es zu befolgen gibt, damit die Ehe rechtskräftig ist. Ihr könnt all die schönen Details einer Trauung aufgreifen, die Euch gefallen – und alles, was Euch nicht gefällt, einfach weglassen.

Klassisch, aber frisch

Die meisten Paare, die ich kenne, wünschen sich auch von einer freien Trauung viele Dinge, die auch Bestandteil einer klassischen kirchlichen Trauung sind: den Einzug der Braut, Fürbitten bzw. Glückwünsche von Freunden und Verwandten, ein langes weißes Kleid… aber es muss eben nicht so sein.

Gleichzeitig hat die freie Trauung keinerlei Wirkung – außer für Euch selbst. Es werden keine Namen geändert, Eure Steuererklärung macht Ihr weiterhin selbst, es gibt keine offizielle Unterschrift. Es gibt nur Euch und Euer Versprechen aneinander.

Hauptsache… verheiratet!

Die meisten Paare entscheiden sich deshalb für die Kombination aus standesamtlicher Trauung und freier Hochzeitszeremonie – wobei alles andere auch denkbar ist. Seit wenigen Jahren gibt es übrigens auch ein Gesetz, das eine kirchliche Trauung ohne die vorherige standesamtliche Trauung erlaubt (allerdings haben sich die christlichen Kirchen dazu entschieden, diese Möglichkeit nicht anzubieten). Eine freie Trauung hingegen ist jederzeit möglich – solange Ihr Euch sicher seid :-)