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Sand, Stein, Feuer – Hochzeitsrituale und ihre Bedeutungen

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Das Heiraten an sich ist natürlich bereits ein Ritual – und ein sehr starkes Symbol. Insbesondere heutzutage heiratet kaum jemand noch aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen, sondern eben vor allem aus Liebe. Wenn also die gesamte Hochzeit an sich schon Ritual und Symbol ist – warum dann überhaupt noch mehr Rituale und Symbole einführen? Das ist eben ähnlich wie mit Weihnachten: Weihnachten zu feiern ist natürlich schon ein Ritual an sich und schön, aber die wirkliche Bedeutung und Besonderheit bekommt das Fest der Liebe durch verschiedene kleine Traditionen und rituelle Handlungen. Die geben – richtig eingesetzt und gestaltet! – Raum für Emotionen, aber auch für Reflektion und Innehalten.

 

So unterschiedlich diese Rituale sind, so offensichtlich oder eben nicht offensichtlich sind sie auch. Das Anzünden der Hochzeitskerze zum Beispiel ist für viele Paare gar kein klassisches Ritual – auch wenn natürlich eine starke Symbolik dahintersteckt. Ein Licht, das im Dunkeln leuchtet und Kraft gibt, entzündet vom Funken der Liebe. Ein Licht, das für Verstorbene angezündet wird, im Gedenken an die lieben Menschen, die das Fest nicht mitfeiern können. Und auch ein Licht, das in die Welt hinausgetragen wird (wie heißt es zum Beispiel in der Bibel: Stellt Euer Licht nicht unter einen Scheffel). Von Liebe über Zusammengehörigkeit bis hin zu Kraft und Talenten steckt also im schlichten Anzünden einer Kerze sehr viel Symbolkraft.

Das braucht Ihr dafür: eine Hochzeitskerze, etwas woran Ihr die Kerze anzünden könnt (Streichhölzer, Feuerzeug oder: eine andere Kerze), ggf. etwas worauf die Kerze steht (Kerzenständer, Teller, Pappe, … denkt daran, Wachs tropft, insbesondere bei Trauungen im Freien, wo immer mal ein Lüftchen weht!)

 

Ähnlich ist es mit dem Ringwechsel – das Ritual, das wirklich am häufigsten vorkommt. Oder andersherum formuliert: am seltensten ausgelassen wird. Ein Ring steht symbolisch für Liebe, Treue und Beständigkeit – etwas, das keinen Anfang und kein Ende kennt. Und die ältesten Ringe sind um die 20.000 Jahre alt. Als Eheringe wird der Schmuck bereits seit der Antike eingesetzt, wobei der Verlobungsring eine wichtigere Rolle spielte. Er galt sozusagen als Empfangsbestätigung für die Mitgift. In schlechten Zeiten konnten Eheringe auch versetzt werden und dienten quasi als Notgroschen. Auch heute investieren viele Paare einiges an Geld in hochwertige Eheringe, besonders weil die Ringe im Alltag das einzig Sichtbare der Hochzeitsfeier bleiben. Sie sind das Symbol der Verbundenheit der Eheleute.

Das braucht Ihr dafür: zwei Ringe und zwei Finger. Fertig!

 

Das ist vielleicht auch ein Grund, warum das sogenannte Ringwarming immer beliebter wird – dabei werden die Eheringe auf einer Schnur durch die Gästeschar gereicht, die ihre guten Wünsche in die Ringe geben. Sie werden quasi auch zum Symbol der Verbundenheit des Paares mit den Gästen gemacht. Ein anderer Grund für die wachsende Beliebtheit ist sicherlich, dass es relativ leicht umzusetzen ist – und man Gäste einbinden kann, ohne dass ein einzelner im Mittelpunkt steht und vor Publikum sprechen muss. Allerdings darf man nicht unterschätzen, dass das einiges an Zeit kostet. Ab einer Gästezahl von 50-60 empfehle ich meinen Paaren deshalb, die Ringe aufzuteilen. Das heißt, dass die Hälfte der Gäste den Ring der Braut durchreicht und die anderen den des Bräutigams. Vorne werden sie dann jeweils vor dem Ja-Wort in Empfang genommen. Plant dazu auch ein Musikstück ein (gerne instrumental), das ggf. flexibel verlängert werden kann (wenn Ihr Euch für Livemusik entschieden habt). Übrigens: Auch wenn Ihr einen Ringjungen oder ein Ringmädchen habt, lässt sich dieses Ritual gut durchführen. Die Kleinen sind dann eben dafür zuständig, die Ringe hinten auf die Schnur zu geben. Ohne Ringträger übernehmen in der Regel die Trauzeugen diese Aufgabe.

Das braucht Ihr dafür: Eure Eheringe, ein oder zwei Seile/Schnüre, die lang genug sind (das ist am Tag der Trauung übrigens meist das größte Problem – zu kurzes Seil), ggf. eine Schere (um zu lange Schnüre zu kappen), ein oder zwei Personen, die dafür zuständig sind, die Ringe auf das Seil zu geben und evtl. vor der Trauung das Seil auszulegen.

 

Eine andere Form, Gäste und deren Glückwünsche einzubinden, ist das Steinritual: Dabei beschriftet jeder Gast einen Stein mit dem, was er dem Brautpaar wünscht. Das kann auch eine Skizze oder ein schönes Bild sein. Großer Nachteil: Wohin mit den Steinen? Wenn man nicht gerade großer Fan von Steingärten ist, kann man mit einem Haufen bemalter Kiesel nicht viel anfangen. Daran solltet Ihr immer denken bei der Wahl der Rituale: Was macht Ihr mit dem Endprodukt? Es nachher wegzuwerfen ist ja auch nicht Sinn der Sache. Eine weitere Herausforderung stellt das Malen während der Trauung dar. Sollen die Gäste sich jetzt schnell innerhalb von 30 Sekunden etwas Nettes überlegen, aufschreiben und zeichnen? Da kommt meist nichts Spannendes oder Persönliches raus. Meine Empfehlung ist deshalb: Bittet vorher 3 bis 5 Gäste, ihren Stein vorzubereiten und während der Trauung vorzustellen. Die übrigen Gäste können ihre Steine dann während des Sektempfangs in aller Ruhe gestalten. Dabei könnt Ihr gerne auch ansagen (lassen), dass nicht jeder Einzelne einen Stein gestalten muss, sondern dass Familien das gerne auch gemeinsam machen können.

Das braucht Ihr dafür: genügend große Steine (nein, auf kleine Kiesel oder Steine mit vielen Unebenheiten kann man nur schwer schreiben oder malen), genügend Stifte guter Qualität (nicht jeder Stift schreibt auf Stein – und bleibt auch da), eine Kiste/Körbchen, in dem die Steine bereitliegen, eine Kiste/Körbchen, in das die Steine hinterher gelegt werden, ggf. eine Anleitung dabei.

 

In eine ähnliche Kategorie fällt das Sandritual – bei manchen Paaren hat es sich so im Kopf festgesetzt, dass es scheinbar mittlerweile standardmäßig zur freien Trauung gehört. Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde es durchaus nett, zwei verschiedene Farben Sand zusammen zu kippen und zu zeigen, dass ein Brautpaar ebenso untrennbar wie die Sandkörner verbunden ist. Aber ganz ehrlich? Wirklich schön sieht das nur in den seltensten Fällen aus. Und dann hat man wieder ein Gefäß, das man sich irgendwo hinstellen muss. Die Symbolik dahinter ist natürlich trotzdem toll – und vielleicht lässt sich die Grundidee des Rituals für Euch ja wunderbar abwandeln. Wenn Ihr z.B. Sand von den Stränden Eurer USA-Rundreise mitgebracht habt. Oder Erde aus den Gärten Eurer Eltern, in die Ihr etwas Schönes einpflanzt (das wäre dann gleich noch „Einen Baum pflanzen“). Oder vielleicht habt Ihr auch schon gemeinsame Kinder und könnt zusammen mit ihnen eine Pfeffermühle mit verschiedenen Gewürzen oder verschiedenfarbigen Pfefferkörnern zusammenschütten, die dann einen Ehrenplatz in Eurer Küche erhält? Der Phantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt – wenn man sie zulässt.

Das braucht Ihr dafür: mind. zwei Gefäße, die den Sand getrennt aufbewahren, ein Gefäß, in der der Sand hinterher gekippt wird.

 

Ein weiteres Ritual, das gerade im Kommen ist, ist das Handfasting. Dieser mittelalterliche bzw. keltische Brauch des Zusammenbindens von Braut und Bräutigam war lange Zeit in der Szene der freien Trauungen den Mittelalter- oder Naturhochzeiten vorenthalten. Auch ich selbst konnte lange nichts mit der Symbolik anfangen. Warum jemanden fest aneinander zurren? Und diesen Knoten danach wieder auflösen? Wie seltsam. Dann habe ich für mich aber eine ungewöhnliche Bindetechnik gefunden, die ich sehr gerne einsetze: Dabei wird das Band (die Schnur, die Krawatte, was auch immer für Euch passt) über die Hände des Brautpaares gelegt – und anschließend müssen die beiden einen Knoten um die Hände binden und den Knoten festziehen. Wenn rechtzeitig die Hände gelöst werden, wird so ein Knoten in das Band geknüpft, der die Einheit der beiden symbolisiert und der NICHT wieder aufgetrennt werden muss, damit das Brautpaar am Hochzeitstag frei über die jeweilige Hand verfügen kann. Die Farbe des Bandes kann dabei klassisch nach der Farbenlehre ausgesucht werden (Rot für die Liebe, Grün für die Hoffnung etc.) oder auch ganz simpel: passend zu Euren Hochzeitsfarben. Ihr könnt Satinbänder nehmen oder ein Seil (z.B. bei einer maritimen Hochzeit) – oder z.B. auch eine blaue Herrenfliege. Das habe ich einmal bei einem Paar gemacht, die absolute Fans der Serie „Dr. Who“ waren (und da spielt eine blaue Fliege in einer Folge, in der der Doktor heiratet, eine wichtige Rolle). Ihr könnt aber auch Seidenschals nehmen, die Ihr vorher gemeinsam bemalt habt… oder die Schnürsenkel Eurer Wanderschuhe. Wie gesagt: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das braucht Ihr dafür: ein Band.

 

Ihr seht schon: Auch die gängigsten Rituale bei freien Trauungen lassen sich ruckzuck abwandeln und an Euch und Eure Geschichte anpassen. Deshalb finde ich es mittlerweile auch schwer von Sandritualen, Handfasting oder einfach nur Hochzeitskerzen zu sprechen – weil diese Begriffe in der Regel nicht mehr das einfangen, was sie eigentlich meinen. Hilfreicher finde ich es deshalb, darüber nachzudenken, für was die Rituale eigentlich stehen und was das jeweilige Symbol bedeuten soll. Insbesondere für Euch als Brautpaar, das vielleicht auf zwei bis drei Hochzeiten bisher war und sich mit den verschiedenen Ritualen noch nicht auseinandergesetzt hat, empfinde ich diese Logik als hilfreich. Denn so könnt Ihr Euch genau überlegen: Was ist uns bei unserer Hochzeit eigentlich am wichtigsten? Zu zeigen, dass wir untrennbar verbunden sind – oder die Zusammengehörigkeit der Familie zu betonen? Wollen wir Verstorbenen einen besonderen Platz einräumen – oder lieber unser Liebesbekenntnis in den Mittelpunkt stellen? Denkt immer daran: Egal, wie Ihr Euch entscheidet, alles ist legitim. Und: Ihr habt die freie Wahl :-)

 

 

Beitragsbild: Leonie Rosendahl Fotografie

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Mein Beruf?

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Geschichtenerzählerin, Verbindungsmacher, Brückenbauer & Liebesermöglicherin. Wenn mich Leute fragen danach fragen, was ich eigentlich mache, dann sage ich, dass ich als freie Traurednerin arbeite. Aber eigentlich beschreibt das nicht…

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